„Kat ist tot“

An einem Spätsommertag, beim Essenholen, fällt Kat um. Er ist getroffen, das Schienbein ist zerschmettert. Ich packe ihn auf den Rücken, er ist nicht schwer, wir bahnen uns den Weg zum Verbandsplatz. Granaten pfeifen um uns, wir versuchen uns in einem Trichter zu schützen. Wir erinnern uns an den Gänsebraten oder als Kat mich als kleinen verwundeten Rekruten gerettet hat. Das ist drei Jahre her. Mir wird Angst, ohne ihn zu sein. Wir rauchen noch eine Zigarette. Wir müssen weiter. Endlich erreichen wir die Sanitätsstation, ich breche vor ihr mit Kat zusammen. „Das hättest du dir sparen können“, meint ein Sanitäter. Ich begreife nicht. Es war doch nur eine Beinverletzung. Ich schüttele Kat, da merke ich, dass er aus dem Kopf blutet. Er muss auf dem Weg einen Splitter abbekommen haben. Kat ist tot. Stanislaus Katczinsky ist gestorben.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, erschienen 1929, 5. Auflage, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, S. 256.