„Jugend? Das ist lange her. Wir sind alte Leute“

Kemmerich liegt im Feldlazarett. Man hat ihm ein Bein abgenommen. Wir wissen alle, dass er sterben wird. Müller würde gerne seine Siefel haben. Auf dem Heimweg denke ich an den Brief, den ich morgen an Kemmerichs Mutter schreiben muss.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, erschienen 1929, 5. Auflage, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, S. 18-22.

„Und wir sahen, dass nichts von ihrer Welt übrigblieb“

Unser Klassenlehrer Kantorek hat uns immer lange Vorträge gehalten, dass wir uns melden sollen. Und das haben wir auch alle, wir haben ihm und seinen Reden geglaubt. Das erste Trommelfeuer hat uns allerdings gezeigt, dass wir uns geirrt haben. Nur Josef Behm hatte damals gezögert und er ist auch als erster gefallen.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, erschienen 1929, 5. Auflage, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, S. 15-18.

Foto entnommen aus: Lewis Milestone, All quiet on the Western Front, Spielfilm USA, 1930.

„Latrinenparole“

Wunderbar gedankenlose Stunden kann man in der Gemeinschaftslatrine verbringen. Sie sind „Klatschecken und Stammtischersatz“ zugleich. Die drei Holzkästen stehen inmitten von Klatschmohn, der rot leuchtet. Hier verbringen wir wunderbare, „gedankenlose Stunden“. Über uns ist nur der blaue Himmel und rund um uns herum blühen die Wiesen. 

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, erschienen 1929, 5. Auflage, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, S. 12-15.

„Die zweite Kompagnie sind wir“

Küchenkarl, auch die Tomate genannt, hat für 150 Leute gekocht, doch wir sind nur noch 80 Mann. Der Rest ist der 2. Kompagnie ist im Massengrab geblieben. Der Tomate hat das natürlich gar nicht gepasst, dass sie jetzt alle Bohnen ausgeben musste. Aber so sind wir wenigstens mal geworden! Es gibt sogar Brot, Wurst, Tabak und sogar für jeden noch ein halbes Pfund Kunsthonig.

Erich Maria Remarque: Im Westen nichts Neues, erschienen 1929, 5. Auflage, Verlag Kiepenheuer und Witsch, Köln 2014, S. 7-12.